Verfasst von: liberty man | 15. Oktober 2008

Die Finanzkrise ist nicht überwunden!

Die Maßnahmen gegen die Finanzkrise lassen nichts Gutes ahnen. Die Interventionisten, die diese Krise verursacht haben, rufen nach noch mehr Staat (und meinen dabei „Regierung“) und nach noch mehr Regularien. Für die Sozialisten ist gar der Untergang des Kapitalismus und ein Ende des Neoliberalismus gekommen. Die Parteien, die Medien, die meisten Wirtschaftsinstitute und Professoren, sie alle blasen in das gleiche Horn

Wir hatten und haben es beim Finanzmarkt nicht mit einem freien Markt zu tun; die Regierungen und Notenbanken geben den Markt vor und greifen unentwegt ein.

  • Erstens ist das Produkt dieses Marktes, das Geld, staatlich monopolisiert. Damit fehlt das für einen liberalen Markt notwendige Ausweichgut und damit jeder Wettbewerb.
  • Zweitens wird der Preis für dieses Quasiprodukt über den Leitzins festgelegt. Wesensmerkmal des liberalen Marktes ist aber eine Preisfindung durch Angebot und Nachfrage.
  • Drittens wird das Produkt Geld durch ständige Erhöhung der Geldmenge inflationiert, ohne dass dem ein Gegenwert gegenüber stünde (sogenanntes Papiergeld).

Der Finanzmarkt wird mit neuem Geld zu günstigen Zinsen versorgt. Dies lädt gerade dazu ein, als Spielgeld im “Kasinokapitalismus” eingesetzt zu werden; die Kreditblase entsteht.

Vor allem die Erhöhung der Geldmenge und die damit verbundene ständige Teuerung (Preissteigerung) ist das größte Übel dieser Finanzpolitik. Es gibt dabei drei hauptsächliche Schuldige:

- Die Zentralbanken, die mit ihrer Offenmarkt- und Zinspolitik die Kreditnachfrage steuern; sie sind Inflationstreiber.

- Die Regierungen mit ihrer Staatsverschuldung, die ständig die Geldmenge erhöhen.

- Die Geschäftsbanken, die aus den Einlagen ihrer Kunden ein Vielfaches der Geldmenge durch die Vergabe von Krediten zaubern.

Roland Baader hat den Prozess der Geldmengenerhöhung in einem Beitrag für ef-online anschaulich am Beispiel der FED dargestellt:

„Schauen wir uns die Entstehung von Luftgeld einmal am Beispiel der FED an: Das Schatzamt der Vereinigten Staaten stellt einen Staats-Schuldschein aus und verkauft diesen an eine Bank X gegen entsprechende Überweisung auf das Treasury-Konto – erstes Herbeizaubern von Luftgeld. Bank X hat nun also eine verbriefte Forderung an den USStaat. Sie verkauft diese Forderung (also den Schuldschein) an die Zentralbank (FED). Die FED richtet der Bank X im Gegenzug ein Guthaben ein – zweites Herbeizaubern von Luftgeld. Bei einem Mindestreservesatz von 10 Prozent verleiht Bank X 90 Prozent ihres neuen Guthabens an andere Banken. Diese Banken haben nun neue Sichteinlagen und können wiederum je 90 Prozent davon an ihre Kunden ausleihen – dritter Luftgeld-Zauber. Wenn die Kunden mit ihren Kreditgeldern Überweisungen vornehmen, etwa zur Bezahlung von Handwerker-Rechnungen, dann können auch diese Empfängerbanken 90 Prozent davon als Darlehen vergeben – vierter, fünfter und sechster Lufgeldzauber, und so weiter… So entsteht also das „easy money“ kaskadenartig, ohne dass dahinter ein echter Sachwert stünde. (Der Prozess kann natürlich auch durch direkte Verkäufe von Staatsschuldscheinen an die Zentralbank eingeleitet werden).“

Wenn es nicht dieses unendlich vermehrbare Papiergeld gäbe, könnten auch keine Haushaltsdefizite oder eine Überexpansion von Krediten entstehen. Die Geldmenge wäre immer die Gleiche, es gäbe keine Preisinflation. Dann wären aber auch die Zentralbanken und die Zinspolitik überflüssig. Die heutige wertvernichtende Finanzkrise hätte es dann auch nicht gegeben.

Es ist nicht so, als ob dies alles neu wäre. Der Ökonom und Nobelpreisträger Friedrich August von Hayek hat in seinem Werk „Entstaatlichung des Geldes“ (engl. Original: “Denationalization of Money”) bereits darauf hingewiesen. Den Schluss den Buches sollten wir uns wieder vor Augen führen: Er schlägt vor, dass wir das staatliche Monopol auf Geld aufheben sollten, dies deute “den einzigen Weg an, auf dem wir noch hoffen können, der anhaltenden Entwicklung aller Regierungen in Richtung auf den Totalitarismus Einhalt zu gebieten, der vielen scharfen Beobachtern als unvermeidbar erscheint. Ich wünschte, ich könnte den Rat geben, langsam vorzugehen. Aber die Zeit mag kurz sein.“

Sein Lehrer Ludwig von Mises hat lange vor ihm geschrieben: „Es gibt keinen Weg, den finalen Zusammenbruch eines Booms zu vermeiden, der durch Kreditexpansion erzeugt worden ist. Die Alternative kann nur sein: Entweder die Krise kommt früher – als ein Ergebnis der freiwilligen Einstellung der Kreditexpansion – oder später als eine finale und totale Katastrophe des betreffenden Währungssystems.“

Aber anstatt die richtigen Schlüsse zu ziehen, wird noch stärker in den Markt eingegriffen. Die Regierungen erhöhen erneut die Geldmenge, heizen die Inflation an und lassen somit eine noch größere Blase entstehen. Damit soll wohl auch die eigene Schuld, sofern sie denn erkannt wird, verschleiert werden.

Es wird aber kein noch so straffes und lückenloses Kontrollsystem in der Lage sein, auf Dauer einen endgültigen Zusammenbruch zu verhindern. Die Alternative ist nicht mehr, sondern weniger Einfluss der Regierungen.

Nachtrag:
Angela Merkel sagte heute im Bundestag: “Die Gefahr für die Finanzmarktstabilität sei “noch nicht gebannt”, aber der Staat greife jetzt “hart durch”. Es gehe um “Strukturen für eine menschliche Marktwirtschaft”, auch darum, Lehren aus den jüngsten Ereignissen zu ziehen.”

Dies kann keine Regierung erreichen, nur der liberale Markt ist in der Lage, einen Ausgleich zwischen den Vertragsparteien zu schaffen.


Antworten

  1. Mag. Reinhard Wallmann, Baugasse 10, 4600 Wels, Austria, Fon ++43 7242 673940, Fax ++43 7242 6739419 wallmann@wallmann.at 10.12.2008

    Finanzkrise 2008 -
    „Geldvernichtung“ als Lösungsansatz

    Die Ursache der aktuellen Finanzkrise liegt in der Blasenbildung als Folge der unkontrollierten Geldschöpfung – darin sind sich nahezu alle einig.

    Diese wurde ausgelöst durch zügelloses Konsumverhalten der US-Verbraucher, durch risikoreiche Geschäfte der Banken in Island (und auch anderswo), durch bis heute nirgendwo dargelegte Geschäfte der BayernLB (und anderer), durch Derivate auf Kreditversicherungen und durch die Gier der Manager.

    Um das Wirtschaftssystem zu erhalten muss nun der Staat Haftungen und Kapital bereitstellen, um die reihenweisen Insolvenzen systemrelevanter Banken zu verhindern.
    Dieser Lösungsansatz ist eine unter Insolvenzgefahr und Zeitdruck entstandene Improvisation, deren Folgen niemand kennt.

    Die Angst vor der Deflation und deren Folgen (Hyperinflation, Währungsreform) geht um.
    Wenn man also die Geldmenge als Folge des außer Kontrolle geratenen Systems der Geldschöpfung als Ursache der Finanzkrise ortet, so wäre es konsequent, wenn man sich mit der Geldvernichtung beschäftigte.

    Die Geldtheorie bestätigt uns: der Geldschöpfungsmultiplikator wirkt auch in der entgegengesetzten Richtung.

    Zinssenkungen, Kapitalbereitstellungen und Haftungen sind jedoch zweifellos „inflatorische geldpolitische Instrumente“, die die Geldmenge weiter erhöhen (Reflation).

    Wie also „Geldvernichtung“ betreiben, aber nicht durch Deflation ?

    Man könnte einmal über „negative inflatorische Maßnahmen“ nachdenken, gleichsam den Rückwärtsgang in der Geldschöpfung einlegen, den Geldvernichtungsprozess einer Rückzahlung erzeugen.
    Es ist besser freiwillig und kontrolliert Geldmenge zu vernichten, anstatt gezwungenermaßen durch Insolvenzfolgen der Deflation.

    30% der Kredite werden einfach nachgelassen.
    (Selbstverständlich nur bei jenen, die das auch wollen)

    Wie wirkt sich dies bei den Teilnehmern am Geldsystem – den Notenbanken, den Geschäftsbanken und den Nichtbanken aus?

    - Die Beziehung zwischen Notenbanken und Geschäftsbanken und zwischen Geschäftsbanken untereinander

    Die wechselseitigen Forderungen und Verbindlichkeiten werden in Höhe von z.B. 30% b.a.w. abgegrenzt.
    Es verbleibt der entgangene Deckungsbeitrag aus der Zinsdifferenz (z.B. 1%), über den man sich im Sinne einer „Bankenhilfe“ Gedanken machen muss.

    - Die Beziehung zwischen Geschäftsbanken und Nichtbanken

    Eine Streichung von 30% der Verbindlichkeiten der Nichtbanken führt auch zum gleichen Ergebnis. Die Geschäftsbanken reduzieren im gleichen Ausmaß ihre Zwischenbankverbindlichkeiten und es verbleibt der entgangene Deckungsbeitrag aus der Zinsdifferenz. In diesem Fall ein höherer (z.B. 3%) als der zwischen den Geschäftsbanken untereinander.
    Den endgültigen Niederschlag findet der Schuldnachlass in den Notenbankkonten. Steuerliche Rahmenbedingungen neutralisieren allfällige „Sanierungsgewinne“.

    Im Sinne der Lösung der Finanzkrise ist nun das Staatensystem gefordert, Hilfestellung zu geben, was ja auch geschieht – es sind ja schon bald 50% des BIP (USA 7.400 Mrd. $).

    Was könnte es nun kosten, dem Bankensystem die entgangene Zinsdifferenz zu ersetzen?

    World Bank und EZB helfen uns, die Größenordnungen z.B. des Euroraumes zu erkennen:

    GDP Euro area : 12.179 Mrd. USD / 1,30 = 9.368 Mrd. EUR
    M3 Sept. 2008 : 9.224 Mrd. EUR

    Berechnung: für rd. 10.000 Mrd. € Geldmenge und davon 30% entgangene Zinsdifferenz zwischen Geschäftsbanken und zwischen Geschäftsbanken und Nichtbanken.

    Abgrenzung Zinsdifferenz
    10 000 Mrd. € 30%
    Banken 1% Mrd.€ 3000 Mrd.€ 30
    Nichtbanken 3% Mrd.€ 3000 Mrd.€ 90

    (Da das Verhältnis der Kredite zwischen den Geschäftsbanken und Geschäftsbanken und Nichtbanken nicht vorliegt, wurde die entgangene Zinsdifferenz jeweils in Höhe der gesamten Geldmenge zwischen Geschäftsbanken und zwischen Geschäftsbanken und Nichtbanken berechnet.)

    Die „Bankenhilfe“ läge also zwischen 30 und 90 Mrd. €, das ist soviel wie die BayernLB alleine braucht und weniger als Österreich sofort bereitgestellt hat.
    Diese „Bankenhilfe“ würde jährlich anfallen, aber die mit der Hilfe verbundenen Auflagen müssen eine Sanierung bewirken.

    Die Risikobetrachtung ist eine andere geworden, den verbliebenen Aktiva (abzüglich der risikobehafteten Forderungen) stehen verringerte Verbindlichkeiten gegenüber.
    Die Insolvenzgefahr ist gemindert, kein weiteres Geld wird neuem Risiko ausgesetzt.
    Die Geldschöpfungsmöglichkeiten, auf niedrigerem Niveau, sind wieder gegeben.
    Die Kreditversicherungsrisken sinken.

    Bei den Nichtbanken verbessert sich der Ertrag, da der Finanzierungsaufwand sinkt.
    Dies hat positive Auswirkungen auf die Verkehrswerte.
    Hausbesitzer können sich die Rückzahlung ihrer Hypotheken wieder leisten, der Druck auf den Immobilienmarkt wird geringer.
    Eine Denkumkehr tritt ein, denn die „Gier“, oder besser der „Eigennutz“ als Triebfeder wirtschaftlichen Handelns wird in Richtung „Sanierung und Risikobegrenzung“ gelenkt, um aus der freiwilligen Teilnahme am „Schuldnachlass“ das Bestmögliche zu machen.

    Literatur, Links, Definitionen

    Issing, Otmar; Einführung in die Geldtheorie; Verlag Vahlen, 1995
    http://www.bundesbank.de
    http://www.oenb.at/de/ueber_die_oenb/schulen/das_geld/erscheinungsformen/schoepfung/geldschoepfunggeldvernichtung.jsp
    http://www.macroanalyst.de/afe-kasten-gitalgeld.htm
    http://de.wikipedia.org/wiki/Geldvernichtung
    http://www.valiant-future.ch/banking/referate/Geldtheorie.pdf
    http://homepage.univie.ac.at/christian.sitte/PAkrems/zerbs/volkswirtschaft_I/beispiele/inf_b01.html
    http://goldnews.bullionvault.de/Fannie_Freddie_Hadronen_Beschleuniger_Staatsverschuldung
    http://blog.zeit.de/herdentrieb/2008/11/26/wiederholt-sich-das-schulden-deflations-szenarium-von-irving-fisher_442
    http://de.wikipedia.org/wiki/Offenmarktpolitik
    http://www2.uni-siegen.de/~merk/downloads/offenmarktpolitik_ezb.pdf
    http://de.wikipedia.org/wiki/Geldmenge
    http://www.bundesbank.de/download/ezb/monatsberichte/2008/200811.mb_ezb.pdf
    http://web.worldbank.org/WBSITE/EXTERNAL/DATASTATISTICS/0,,contentMDK:20399244~menuPK:1192714~pagePK:64133150~piPK:64133175~theSitePK:239419,00.html

    M3:
    Für M1 bis M3 definiert die Europäische Zentralbank[1]:
    M1: (Nov. 2007: 3.860 Mrd. Euro) Sichteinlagen der Nicht-MFIs sowie Bargeldumlauf ohne die Kassenbestände der Kreditinstitute (MFIs);
    M2: (Nov. 2007: 7.307 Mrd. Euro) M1 plus Einlagen mit vereinbarter Laufzeit bis zu zwei Jahren und Einlagen mit gesetzlicher Kündigungsfrist bis zu drei Monaten;
    M3: (Nov. 2007: 8.620 Mrd. Euro) M2 plus Anteile an Geldmarktfonds, Repoverbindlichkeiten, Geldmarktpapieren und Bankschuldverschreibungen mit einer Laufzeit bis zu zwei Jahren
    Die Geldmenge M ist über die Quantitätsformel von Irving Fisher direkt mit der Umlaufgeschwindigkeit V und der Summe aller verkauften Produkte X, multipliziert mit ihren Preisen P, verknüpft:
    .
    In der Praxis wird die Umlaufgeschwindigkeit jedoch nicht direkt gemessen, sondern über die vorangestellte Gleichung berechnet. Dabei wird die Summe aus allen verkauften Produkten und ihren Preisen mit dem Bruttoinlandsprodukt (BIP) gleichgesetzt:
    V = BIP / M.

    OENB:
    Geldschöpfung/ Geldvernichtung
    Aus dem bisher Gesagten geht hervor, dass Zentralbank (Zentralbankgeldschöpfung) und Kreditinstitute (Giralgeldschöpfung) Träger der Geldschöpfung sind.
     Das Gegenteil der Geldschöpfung wird – sehr einprägsam – als „Geldvernichtung“ bezeichnet. Wenn beispielsweise ein Kreditinstitut von der OeNB ausländische Zahlungsmittel erwirbt und mit Euro-Banknoten bezahlt, verlieren diese bei der Hereinnahme durch die Zentralbank ihre Geldeigenschaft. Bei der OeNB eingezahlte Banknoten haben keine Zahlungsmittelfunktion mehr. Sie sind streng verrechenbare Drucksorten wie vor ihrer Ausgabe. 
    …mehr>>http://www.oenb.at/de/ueber_die_oenb/schulen/das_geld/erscheinungsformen/giralgeld/buch-_oder_giralgeld.jsp


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