Verfasst von: Max Wessenberg | 8. Oktober 2008

Der Staat hat versagt, nicht der Markt

Dirk Niebel schreibt in seinem Blog über die Ursachen der Finanzkrise:

„Ohne Frage haben weltweit Banker versagt, indem sie auf schnelle Rendite statt auf langfristige Solidität setzten. Ich wehre mich aber dagegen, dass die Verantwortungslosigkeit Einzelner erneut zum Anlass genommen wird, ein Wirtschaftssystem in Frage zu stellen, das uns in Deutschland den größten Wohlstand unserer Geschichte gebracht hat.“ mehr…

Als Lösung bietet er an:

Unsere Vorschläge für Wege aus der Krise liegen auf dem Tisch: Wir wollen eine neutrale Prüfinstanz für private Rating-Agenturen, die die Werthaltigkeit von Unternehmen und Banken beurteilen. Und wir wollen die Bankenaufsicht in Deutschland unter der einheitlichen Kontrolle der Bundesbank bündeln und so Interessenskollisionen verhindern.“


Staatsversagen als zu geringen Eingriff des Staates darzustellen, ist eine Dehnung des Begriffs, wie er von Linken nicht besser hätte vorgenommen werden können. Da bleiben wir doch besser bei der althergebrachten positiven Definition: „Unter Staatsversagen (auch Politikversagen) versteht man … durch staatliche Eingriffe in den Markt verursachte, suboptimale Ergebnisse.“ (Wikipedia). Mit der Meinung, dass zu wenig reguliert worden wäre, unterstellt Herr Niebel implizit Marktversagen, das durch stärkere Regulierung hätte verhindert werden können. Die Aussage „Der Staat hat versagt, nicht der Markt“ wirkt auf dieser Grundlage dann nicht mehr überzeugend.

In einer liberalen Analyse zur Finanzkrise erwartet man zumindest die Aussage, dass der Geldmarkt ein staatliches Zwangsmonopol ist, in dem der wichtigste Preis, der Zins, staatlich festgesetzt wird. Über diesen Zins wurde in den letzten Jahren eine inflationäre Politik betrieben, die in den USA u.a. zu einer Blasenbildung im Immobilienmarkt geführt hat. Dies wurde massiv unterstützt durch politisch vorgegebene Kreditvergaben der quasi-staatlichen größten Immobilienfinanzierer Freddie Mac und Fannie Mae. Das Platzen dieser Blase in den USA war der Auslöser dieser erneuten Finanzkrise. Hier von Marktversagen zu sprechen, oder fehlender staatlicher Regulierung, lässt an Absurdität kaum zu wünschen übrig.

Es dreht sich hier nicht nur um das Fehlverhalten von einzelnen Bankern, das bestraft und reguliert werden könnte, um zukünftige Finanzkrisen zu vermeiden. Man könnte Banken vorwerfen, dass sie sich mit Produkten, die die Finanzaufsicht zugelassen hat, verspekuliert haben. Das wäre in einer Welt ohne Staatsbanken aber letztendlich ein Problem der Bankeigentümer. Und die Banker sitzen hier im selben Boot wie die Kreditnehmer, die Aufsichtsbehörden und die Politiker, die das Kommen und das Ausmaß der Krise zum großen Teil falsch prognostiziert haben.

Wir sehen hier die Auswirkungen eines Systemproblems. Will man das Problem an der Wurzel packen, um zukünftige Systemkrisen zu vermeiden, kommt man an den Punkten „Staatliches Geldmonopol“, „Staatliche Zinsfestsetzung“, „Mindestreservevorgaben“, „Sozial orientierte Kreditvergabe“ und „Staatliche Übernahme von Ausfallrisiken“ nicht vorbei.


Antworten

  1. Ich frage mich echt welche Gruppe der Liberalen Dirk Niebel innerhalb der FDP mit seiner letzten Aussage überhaupt repräsentieren möchte!?
    Er hat eine echt sonderbare Vorstellung von Liberalismus … besonders das er sich vor in einiger Zeit: den Muff bei der großen Koalition mit der Nationalen Front in der DDR gleich setzte
    Also ist Dirk Niebel am Ende doch nur ein Populist …
    Aber er hat nicht bedacht das er mit seiner aktuellen Aussage bei den Liberalen nicht besonders Populär ist wenn man die ersten Kommentare sich mal zu Gemüte führt …


Einen Kommentar hinterlassen

Sie müssen angemeldet sein, um kommentieren zu können.

Kategorien